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‚Cargo Logic‘

Posted on 10. Februar 2020

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‘Cargo Logic’

Mit grossen Augen schauten wir auf die A380. Wir standen direkt vor dem riesigen Triebwerk. Rund um den unglaublich grossen Vogel herrschte emsiges Treiben. Die einen Arbeiter beluden den Frachtraum mit internationalen Gütern, die anderen schoben Container der Catering Firma in den Bauch oder hantierten an Schläuchen, in denen heisse Luft in das Innere des Flugzeuges strömte. Wieder andere beluden Rollwagen mit dem Gepäck der Crew. 24 Crew Mitglieder arbeiten allein in der Kabine. Dazu kommen die Piloten im Cockpit.

Über die vier Gangways betraten die über 450 Passagiere die Maschine. Ein riesiges Zugfahrzeug bewegte sich auf das Flugzeug zu. Bald würde es abgestossen werden und nach Singapur fliegen.

Hinter uns startete eine Boeing 777 der Swiss in den Morgenhimmel des Flughafens.

Marco Gredig, CEO von Cargo Logic erklärte uns das Reiseziel, wohin und mit wieviel Passagieren diese Maschine flog.

Er war es, der uns zu diesem Besuch einlud. Gredig ist Freund und Stammgast im Rias und CEO der ‚Cargo Logic‘. 800 Mitarbeiter arbeiten sieben Tage vierundzwanzig Stunden für diese Logistik Firma. Mit dem Unternehmen ist er der grösste Mieter am Flughafen.

Nur wenige Meter von unserem Platz entfernt bewegte sich ein SWISS Airbus 220. Man hatte das Gefühl, es sei ein geschrumpftes Flugzeug, mit viel zu kurzem Rumpf, nachdem man es mit dem Bild der Triple Seven im Kopf verglich. Die Piloten winkten uns aus dem Cockpit zu.

Dieses Flugzeug würde nun zum ‘de-icing’, zum Enteisen gerollt, wurde uns erklärt. Da hinten standen an der Rollbahn zwei riesige Lastwagen, die Schwenkarme in den Himmel streckten. Einige Minuten später umhüllte ein Nebel aus Enteisungsmittel das ganze Flugzeug.

Dann rollte eine A320 der Air Canada vorbei. Sie würde nun am Ende des Rollfeldes drehen und dann vor unseren Augen nach Toronto abheben.

Ich erinnerte mich, wie meine Eltern vor Jahrzehnten zu ihrem ersten Flug nach Kanada aufbrachen. Man konnte noch von der Besucherterrasse direkt auf die wartenden Flugzeuge schauen. Der Göttibub meines Vaters war Flight Ingenieur auf der DC10. Er hatte extra dafür geschaut, dass er auf eben diesem Flug Dienst hatte. Ich stand damals auf der Aussichtsterrasse und bestaunte gebannt, was da unten alles los war. Meine Eltern besuchten ihre weiteren Göttikinder, die alle nach Kanada ausgewandert waren. Was für ein Erlebnis das doch für alle war. Ich war im dritten Lehrjahr meiner Kochlehre und wirtete im Landgasthof alleine mal schnell für drei Wochen.

Nun, am Samstag, einige Jahrzehnte später durfte ich auf dem Rollfeld direkt auf die Flieger schauen. Was war das für ein Erlebnis!

Pünktlich um neun besammelten wir uns am Eingang 4/5 Gebäude Fracht Ost, am Flughafen Zürich.

Vom CEO persönlich und Tino, einem seiner Mitarbeiter, wurden wir in Empfang genommen.

Wir erhielten orange Sicherheitswesten und Besucherausweise. Dann ging es durch die Sicherheitskontrolle. Es piepste und blinkte – da waren einige Nieten an Gürteln zu viel. Doch dann schafften wir es doch alle, ohne verhaftet zu werden, in die Halle, wo die Frischprodukte ausgeladen wurden.

Der Pflanzenschutzbeauftragte erklärte uns seine Arbeit, wie er die Kontrolle machen würde und auf was er zu achten hatte. Viele der Lebensmittel, so wie wir sie in den Regalen kennen, kommen direkt per Luftfracht aus aller Welt.

Dann ging es raus aufs Rollfeld. In einem kleinen Bus fuhren wir durch den langen Tunnel zum internationalen Terminal E. Und dann standen wir eben plötzlich vor diesem riesigen Vogel. Später wurden wir im kleinen Bus zurückgefahren. In den schier unendlichen Hallen der ‘Cargo Logic’ staunten wir, wie die Güter für die Fracht zusammengebaut wurden. Es war ein unglaubliches Gewusel und wir standen mittendrin. Rundherum wurde gearbeitet, verladen und Güter zu riesigen Paketen verbaut.

Ein Apparat röntgete Pakete, die frisch angeliefert wurden. Mitarbeiter mit spezieller Ausbildung schauten sich die Bilder genau an.

Ich war tief beeindruckt, was in diesen Räumen abging. Es war mir absolut nicht bewusst, dass jedes Flugzeug mit soviel Fracht beladen wird.

Ich dachte immer, Passagiere und deren Koffer würden mitfliegen und vielleicht noch unsere Velos. Doch, dass ich vielleicht auf Ananas oder Bananen oder fertig verpacktem Salat sitze, das war mir nicht klar.

So verbrachten wir einen spannenden Vormittag auf dem Flughafen und lernten viel Neues kennen.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas erlebt unter dem Motto, was wir wissen und doch nicht kennen?