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Die letzte Bäckerei

Posted on 17. Juni 2020

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Und plötzlich ist das Restaurant abends leer. Zwei Abende nacheinander kein Gast. Das stimmt mich nachdenklich.
Darf ich das so schreiben?
Denken Sie nun, ich sei ein Jammeri?
Der Mittag ist ja meistens recht gut besetzt. Die Gäste sitzen überall verteilt, die Frauen im Service rennen Extrakilometer, damit die Abstände zwischen den Tischen stimmen.

Ist das nun die richtige Krise, ein leeres Restaurant abends?
Ich hoffe nicht!
Denn ich habe mich entschlossen noch einige Jahre im Rias Kloten zu bleiben, und zwar erfolgreich, denn sonst würde ich nicht zusammen mit meiner Traumfrau in die Flughafenstadt zügeln!

Trotzdem erinnere ich mich an unser kleines Dorf. Wie es dort war, vor dreissig, vierzig oder fünfzig Jahren.
Als erstes erwischte es die Bäckerei im kleinen Ort im Neckertal.
Immer wenn ich morgens zwischen sieben und acht die kleine Schulstrasse, gesäumt von wilden Hecken Richtung des Sekundarschulhauses stampfte, empfing mich der Duft von frisch gebackenem Brot.

Ich stellte mir vor, wie Bäcker Schöni mit seinem langen Holzschiesser den Ofen beschickte. Bereits Stunden zuvor, mitten in der Nacht, feuerte er seinen Ofen mit Weisstannenholz aus dem hinteren Neckertal ein und wartete geduldig, bis sich Glut bildete, die so wunderbar verglühen würde und dem Brot diesen einzigartigen Geschmack gab, mit knackiger Kruste und weichem, fast feuchtem Herz. Den Teig hatte er bereits am Vortag gehebelt und liess ihn nun langsam stundenlang gären.

Nun, in den ersten Morgenstunden, die Nebel zogen bereits langsam das Neckertal hinauf und der Himmel über der Wilket hellte sich mehlig auf, hatte er sich einen Nescafé mit kochendem Wasser angerührt. Er genoss das heisse Getränk im Wissen, dass sein nächtliches Tagwerk noch nicht geschafft war. Wenn er dann frühmorgens auf die Tour gehen täte, gäbe es im Rössli sicher einen feinen Kaffee aus dieser modernen Kolbenmaschine – ein Luxus in dieser Zeit.

Die ersten Brote waren nach und er buk noch die feinen Bürli aus Weissmehl – ebenfalls ein Luxus. Dann strich er feinste Japonaisböden aus, die in der Restwärme des Ofens getrocknet wurden. Diese Böden bildeten die Grundlage für die einzigartigen Schwarzwälder Kirschtorten, die es so nur in seiner Bäckerei gab.
Dann belud er den alten beigen R4 mit den grossen Weidezainen und steuerte den Wagen auf die Tour. Die Bäckersfrau verkaufte inzwischen die frischen und noch fast warmen Doppelpfünder, Kilobrote, Pfünderli, Bure- und St. Gallerbrote im kleinen Laden direkt neben der Backstube.

Pünktlich um zehn würde der Bäckermeister dann auf dem Mäuerchen zwischen Primar- und Sekundarschule sitzen und den Kindern für 50 Rappen ein Bürli verkaufen.
Einmal hatte er die Idee, er könnte doch zum Bürli auch noch ein Schoggistängeli anbieten. Doch das ging gar nicht. Nullkommaplötzlich stand die Unterstufenlehrerin Wagner vor ihm. Sie bäumte sich geradezu auf und erzählte etwas, vom Verwöhnen der Kinder und das ginge gar nicht und was ihm denn einfalle, ob er sich denn nun wirklich an diesen kleinen Geschöpfen bereichern wolle.
Notabene dasselbe Fräulein, auf dessen Pult eine Figur stand, die dankend nickte, wenn man ein Zehnrappenstück einsteckte. Das Geld sei eben für die armen Menschen in fernen Ländern. Man müsse doch helfen.

Irgendwann stellte sich dann die Frage, wer denn nun die stattliche Bäckerei mit dem guten Holzofen und kleinem Verkaufsladen weiterführen würde. Natürlich fand sich kein Interessent. Zu hart war die Arbeit, zu lange die Tage in der engen Backstube und fürs Alter würde es auch nie und nimmer reichen.

Nur ein junger, hipper Zürcher fand es noch lustig, so eine Bäckerei zu kaufen, so als Ferienhaus und vielleicht würde er dann im kleinen Verkaufsladen mal etwas anbieten. Ein Glas Prosecco oder so, vielleicht, man weiss ja nie. Seine Freunde in der Szene in Zürich würden nicht schlecht staunen, wenn er bald erzählen würde, dass er nun der Besitzer einer Dorfbäckerei sei, mit einem Holzofen mit Steinplatten.

Ähnlich ging es mit dem Touralädeli. Schon lange konnte die alte Marie den Laden nur noch halten, weil sie die oberste Wohnung unter dem Dachstock an junge Lehrer vermietete. Doch dann kaufte sich die Schulgemeinde ein einfaches Zweifamilienhaus, damit die Lehrer eine standesgemässe Bleibe haben würden. So hiess es in der Begründung an der Bürgerversammlung.
Die alte Marie mochte nicht mehr. Einmal chrömelte ich in ihrem Laden, als ein Vertreter eintrat und ihr ein Inserat im ‘Toggenburger’ verkaufen wollte.

Es sei wichtig, dass man Werbung schalte. Wer sich der Welt nicht zeigen würde mit einem Inserat, der würde von der Welt vergessen. Er war ein guter Verkäufer, der Mann vom ‘Toggenburger’ und so kaufte die Toura Marie ein Inserat in dessen Zeitung. Es kostete glatt soviel wie drei Tagesumsätze. Doch auch dieses Inserat konnte das Touralädeli nicht retten. Irgendwann wurde ein Shop für Bastelartikel daraus.

Eine hippe Zürcherin aus Küsnacht fand, das sei doch noch sexy, in diesem schönen grünen Tal einen Bastelladen zu eröffnen. So mit einem Glas Prosecco und ihre Freunde am Zürichsee würden nicht schlecht staunen, wenn sie nun dieses kleine Touralädeli übernehmen und den Ort mit einem Bastellädeli beleben würde. Später wurde die Metzgerei nebenan geschlossen und auch die Post unten im Dorf.

Als ob man einen Stein ins Wasser geworfen hätte, zogen sich die Kreise immer weiter.

Die grossen Verteiler übernahmen die Versorgung, das Brot wurde von Maschinen in einer grossen Fabrik gebacken und spätestens in der Corona Krise 2020 erinnern sich die Menschen, wie es war, als der Bäcker mit dem R4 frühmorgens auf die Tour ging und dann auf dem Mäuerchen zwischen Primar- und Sekundarschule seine Bürlis verkaufen durfte – aber ohne Schoggistängeli – verwöhnen sollte man uns ja nicht auch noch!

Natürlich hoffe ich, dass ich diese Krise mit dem Rias überleben darf.
An Angeboten mangelt es nicht.
So ist auch der Shop weiterhin online und wir liefern fast überall hin für einen kleinen Pauschalbetrag.
Reservationen wie immer online und nun dürfen wir auch wieder Bankette anbieten.

Wir sind gerne für Sie da und freuen uns auf Ihren Besuch.

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Sie bestellen online die gewünschten fertig gekochten oder vorgekochten Gerichte und holen alles zum gewünschten Zeitpunkt ab.

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Wir sind nun wieder von Montag – Freitag mittags und abends für Sie da.
Im Sommer werden wir vom 19. Juli für zwei Wochen Sommerferien machen.

Schön, wenn wir Sie verwöhnen dürfen.

Von Herzen wünsche ich Ihnen alles Gute.