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Für meine Tochter Jessica 

Posted on 2. September 2019

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Lass dich nicht unterkriegen

sei frech und wild und wunderbar

Pippi Langstrumpf

Diese Worte, anscheinend von Pippi Langstrumpf, standen am Anfang meiner Rede als Brautvater, an der Hochzeit meiner Tochter Jessica.

Es war ein wunderbarer Tag, der Samstag vor einer Woche. Frühmorgens stand ich zuhause in Zürich bereits am Fenster und begutachtete das Wetter. Es würde einfach nur schön und strahlend blau werden. Viel zu früh lenkten wir den Jeep Grand Cherokee Trailhawk durch die Stadt Richtung Bodensee und viel zu früh standen wir im Landgasthof Seelust in Wiedehorn, einem kleinen Weiler in der Gemeinde Egnach.

Jetzt war er also da. Der grosse Tag, an dem wir feiern würden. Nun, eigentlich fingen die ganzen Festivitäten bereits eine Woche vorher auf dem ‚kleinen Rigi‘ in Schönenberg TG an. Dort war die zivile Trauung und ich weiss, Menschen mit fehlender Romantik sagen nun, dass das der wichtigere Teil gewesen sei. Für mich und für meine beiden Töchter Sarah und Jessica und für viele Menschen, die an dem Fest dabei waren, war es nicht so!

Die ganze Woche vor dem rauschenden Fest, das mit einem Gottesdienst in der Kirche Steinebrunn begann, hatte ich einen Gedanken. Meine Tochter Jessica hat nun eine eigene Familie. Es heisst jetzt nicht mehr einfach Herr und Frau, sondern Familie. Ich fand diesen Gedanken wunderbar.

Am besagten Samstagmorgen befanden wir uns nun also viel zu früh beim Cappuccino im Restaurant des Landgasthofes Seelust. Ich beobachtete wie die Servicemitarbeiter flink die Tische für den Mittagsservice aufdeckten und ging meinen Zeitplan durch. Um 11:30 sollten wir bei Jessica zuhause vorfahren. Dann nach eins würden Jessica und ich im Jeep Grand Cherokee Trailhawk von meiner Traumfrau zur Kirche chauffiert werden.

Den Jeep hatte ich tags zuvor sauber gereinigt, an den Handgriffen der hinteren Türen wurden bereits am Freitag durch Florart Kloten zwei kleine Blumengestecke in den Lieblingsfarben der Braut angebracht. Natürlich hatten wir die Blumen in kleine Gläser gestellt, damit sie nicht verdursteten. Hinter den Blumen versteckte ich die kleine Garmin Action Cam. Bewegte Bilder für die Nachwelt.

Um die Mittagszeit an diesem besagten Samstag fuhr ich dann allein zur Kirche, um das Auto aussen auch noch auf Hochzeit zu trimmen. Wehende Bänder an den Spiegeln und ein Blumenbouquet auf die Motorhaube.

Langsam und genussvoll lenkte ich nun dieses Schmuckstück zurück nach Neukirch vor die Wohnungstüre von Jessica. Bald stiegen wir ein und langsam fuhren wir los.

Mit meinem I-phone drehte ich einen kleinen Film während der Fahrt. Jessica lachte mich aus: ‘Warum häsch du zwei Zehnernotä i dim I-phone?’ In der Hülle meines Telefons habe ich zwei Zehnernoten versteckt. Eigentlich ist das der Notvorrat, wenn ich beim Training nichts dabei habe. Ich musste lachen: ,Das isch, im Fall du duräbrennä wotsch!’ Jesscia schmunzelnd zurück: ‘Ich ha no füfzg Frankä i mim Täschli..’! Nun mussten wir beide lauthals lachen.

Vor der Kirche warteten wir einige Minuten, bis Zwillingsschwester und Trauzeugin Sarah das Zeichen zum Vorfahren gab.

Wir stiegen aus, ich richtete meine Jacke, schloss einen Knopf und schon öffnete sich die Türe des Gebäudes. Sarah drapierte die Schleppe, da ein leiser Schrei und Jessica aufgeregt: , Sie singt scho, mir müänd innä, schnell!’ Am liebsten wäre sie durch die Türe gerannt. Es war ausgemacht, dass nach Ende des Glockengeläutes die Orgel ein Eingangsspiel zum Besten geben und dann die Sängerin ‘The Rose von Bette Midler’ singen würde.

Wir waren also zu spät! Nein, es war einfach perfekt. Langsam schritten wir durch den Mittelgang. Die Braut, meine Tochter, meine Jessica, hatte bei mir eingehängt. Bedächtig machten wir einen Schritt nach dem anderen. ‘Wo isch den dä Mattias? ’ flüsterte sie plötzlich. ‘Döt stoht er doch!’ flüsterte ich. Der Bräutigam stand ganz vorne am Mittelgang und wartete gespannt auf uns. Ich merkte, dass mein Knopf am Jacket falsch zugeknöpft war. Doch schon waren wir vorne und Jessica war bei ihrem Traummann angelangt!

Nachher fragten mich die Menschen, was ich gesagt hätte, in diesem Moment. Habe ich etwas gesagt? Ich weiss es nicht mehr!

Nun musste ich erst mal meinen Platz suchen und brauchte einige Taschentücher.

Dann war die Trauung fertig und alle strömten nach draussen. Die letzten Wolkenfetzen hatten sich verzogen und die Sonne strahlte mit der Braut um die Wette.

Alle waren gekommen, um zu feiern. Mehr als zweihundert Gäste hatten sich auf dem Kiesplatz eingefunden. Arbeitskollegen, Freunde, Gspändli der Fussballclubs, Bekannte und Verwandte wünschten dem Brautpaar alles Gute.

Ich durfte alle meine Geschwister und viele liebe Menschen, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, begrüssen.
Es war ein Anliegen des Brautpaares, alle einzuladen, denn es sei doch das Schönste, wenn man sich trifft und plaudern kann.

Und ja, ich musste ihnen zustimmen. Es war schon schön, all diese Menschen zu sehen, zu tratschen, alte Geschichten auszutauschen und sich darauf zu freuen, dass man sich doch nun wieder einmal treffen sollte.

Doch was würde ich abends in meiner Rede sagen. Als Brautvater hatte ich die Ehre, abends zur Gesellschaft zu sprechen. Was war das, fragte ich mich schon seit Monaten? Menschen um mich herum meinten, dass mir dann schon das richtige einfallen würde.

Ja, das war so. Und es fiel mir ein. Es waren Situationen aus dem Leben, die ein warmes Licht auf das Wesen meiner Tochter warfen.

Einige Gedanken aus meiner Rede:

Liebe Jessica, lieber Mattias

Als wir in St. Peterzell gelebt haben, gab es eine wunderbare Situation, die dein Wesen, beleuchtet, die das zeigt, was du, Jessica wirklich bist. Es scheint manchmal, du seist die angepasste, nette junge Frau, die Tochter und Schwiegertochter, die Frau, die man sich wünscht.

Es gibt aber auch eine andere, wunderbare Seite, die du versteckst.

Das zeigt sich schön in diesen Begebenheiten:

Sarah und du wart wie so oft beim Grosi und beim Grossvater zum Znacht. Ich hatte gerade nicht so viel zu tun in der Küche und besuchte euch.

Was traf ich da an?

Alle vier sitzen gespannt am Tisch. Das Grosi streicht Butter aufs Brot. Alle sind konzentriert auf etwas in der Ecke. Was steht da? Da läuft der Fernseher mit Forsthaus Falkenau. Es ist noch einer dieser alten Fernseher, die wirklich so richtig viel Platz brauchten.

‘Was soll den das? Fernsehen beim Nachtessen, geht aber gar nicht! ‘

Zuerst hebst du nur den Kopf, dann stehst vom Stuhl auf, stellst dich neben den Stuhl, stemmst deine Arme in die Seiten und sagst mit strengem Blick zu mir: ‘Papi, das got dich gar nüt a, do obä geltet d’reglä vom Grosi und vom Grossvater! ‘

Es war keine gespielte Empörung, du wolltest das ein für allemal klarstellen.

Wir waren im Märlihotel in Braunwald in den Ferien. Eine Rutschbahn, nur für die Kinder, führte vom Speisesaal runter an die Reception. Du bist mit so ungeheurem Schuss da runter gerast. Man sah nur noch zwei Arme und zwei Beine durch die Luft segeln und dann knallte es. Der Zwerg Bartli stand im Weg und das Resultat war eine Fahrt mit dem Elektromobil in die Klinik und eine Narbe oberhalb der Augenbraue, die man heute noch sieht.

Ich will dir sagen, dass ich unglaublich stolz bin, wie du dein Leben meisterst und wie du zu einer starken und liebevollen Frau geworden bist.
Ich will dir sagen, dass ich dich von ganzem Herzen lieb hab und dass du immer auf mich zählen kannst. Du und deine Familie, denn nun seid ihr zwei eine Familie, du und dein Mattias. Ihr müsst das nicht mehr beweisen, dann ihr lebt es seit über einem Jahrzehnt.

Vor einigen Jahren hast du von mir einen Schutzengel an deinen Schlüsselbund erhalten. Ich habe gesehen, dass dieser Anhänger langsam abgenutzt und verbraucht ist. Darum schenke ich dir heute diesen neuen Schlüsselanhänger, der dich beschützen soll.

Noch heute, eine Woche danach, bin ich voller Emotionen.