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Menu eins, zwei oder drei?

Posted on 13. September 2020

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Mami, diä Soppä isch viel z’heiss, ich cha da überhaupt nöd ässä!’ in einer heiligen Wut zischte ich diese Bemerkung, wohl flüsternd meiner Mutter zu, die gegenüber sass und mit einer Engelsgeduld die viel zu heisse Suppe löffelte.

Ich schaute griesgrämig zum Nebentisch, wo die Kinder einer anderen Familie schon lange ihre knusprigen Pommes-frites im knallroten Ketchup versinken liessen und ärgerte mich masslos, dass ich noch immer an der Suppe war. Zu allem Elend war der Löffel nun in dieser heissen Brühe versunken. Nie würde ich diesen wundervollen Geschmack von Pommes-frites aus dem knallroten Ketchupsee geniessen können.

‘Luäg du muäsch eifach diä Soppä mit äm Löffel vo dä Oberflächi neh, well döt isch es nöd so heiss!’ Mit grimmigem Blick versuchte ich die Suppe von der Oberfläche zu löffeln, was nur leidlich funktionieren wollte. Hilfesuchend blickte ich zu meinem Vater. Der hatte sich wohlwissend einen Tagessalat bestellt und genoss die knackigen Blätter sichtlich.

Wir schrieben Anfang der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Es war für uns ein Luxus, wenn wir einmal im Monat an einem Dienstagmittag in einem anderen Landgasthof zu Mittag assen. Es war Wirtesonntag, das ist der Tag, an dem sich der Wirt um die Wirtin und eben um die Kinder zu kümmern hat.

Meistens sassen schon Dutzende Arbeiter und Monteure in ihren blauen oder grünen ‘Übergwändli’ in den Gaststuben. An weiteren Tischen hatten es sich Vertreter, sogenannte Handelsreisende bequem gemacht. Es wurden Rösslistumpen, Select extra oder Brunette Doppel geraucht, am liebsten sogar zwischen Suppe und Hauptgang. Die Luft war heiss, rauch- und schweissgeschwängert und der Lärmpegel ziemlich hoch.

Doch immer war es ein Abenteuer, wenn wir durch das Appenzeller Hinterland fuhren, um irgendwo etwas zu essen. Manchmal ging es nur bis zum Löwen im Hinterdorf in Schönengrund, etwas edler war es in der Linde in Teufen oder im Appenzellerhof in Speicher. Doch überall trafen wir dasselbe Bild an. Menu eins, zwei und drei, mit oder ohne Suppe und Salat. Dazu ein zweier Roter und zum Kaffee ein Schnaps, wenn es richtig gut sein musste ein ‘Marc’ aus dem fernen Burgund. Und dann ein ‘Rösslistumpe’, ‘Villiger Kiel’ oder eine ‘Toscani’. Einfach rauchen musste es.

Endlich hatte ich diese Suppe ausgelöffelt und vor mir stand ein Schnitzel mit Pommes-frites und eine Glasflasche, aus der ich knallroten Ketchup über den ganzen Teller verteilte.
Am Tisch hinter uns hatten ein paar Monteure bereits den Jassteppich erhalten und es wurde kräftig auf den Tisch gehauen. ‘Also, isch guät, Eichle siebäfach, Unäuä sechs, Obänabä föf, Rosä vier, Schiltä drüfach und Schälä dopplet, dä Matsch zellt 257, wenn also än Eichlä Matsch machsch, gits 1’799 Pönkt, Berg bi 3’500 – ein Strich, Sieg bi 7’000 – drü Strich.’ Dann wurden noch die Siegprämien verhandelt, Kafi Schnaps bestellt und los ging es. Schliesslich hatte man bis 13:30 Uhr Mittagspause und die wollte man ausgenutzt wissen.

Wir kamen zum Dessert. Wie immer bestellte Vater für sich  Vanille- und Erdbeerglace, ein Karamelköpfli für die Mutter und für uns irgend eine gemischte Glace. So komische Kinderdesserts mit viel Plastik gab es noch nicht.
In der Zwischenzeit hatten unsere Eltern Bekannte getroffen und vertieften sich in ein Gespräch. Wir suchten das Weite, besser gesagt einen Spielplatz oder irgendetwas, mit dem wir uns beschäftigen konnten, bevor wir wieder nach Hause fuhren.
Spätestens im Auto dann die Frage, die einfach irgendwann jeder Mutter über die Lippen kommt: ‘Händ ihr no Husufgobä?’

Im Rias haben wir die Hausaufgaben gemacht und langsam kommen Herbstgerichte auf die Karte.
Wir sind täglich für Sie da.
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