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Netflix und der Rhonegletscher!

Posted on 30. Juni 2019

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Netflix und der Rhonegletscher!

Sicher kennen Sie Netflix?
Das TV Kauf Portal, das vor allem Serien anbietet.
Ich bin einer von einigen Millionen Nutzern und schaue mir oft Serien oder Filme an.
Vor dem Duschen und nach dem Duschen ein paar Minuten. Eigentlich völlig doof, denn sämtliche Filme nehme ich nur oberflächlich wahr.

Ich mag die Kochserien von Chef’s Table und auch sämtliche Actionserien. Bei Chef’s Table ist es so, dass die kompliziertesten Abläufe und Vorgänge, die sich über Jahrzehnte abspielten, in wenigen Minuten dargestellt werden. So typisch amerikanisch als Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, oder eben zum Starkoch. Realität wird völlig realitätsfremd wiedergegeben.

Dann gibt es auch die Serien, in denen ein Darsteller immer mal wieder mit Erlebnissen aus seiner Kindheit konfrontiert wird, als Déja-vue oder Flashback.

Genau so etwas fühle ich seit vorletztem Samstag.

Auf dem Trip mit dem Rennrad von Ascona durch die Leventina auf den Gotthard, über den Furka und über die Grimsel nach Brienz, hatte ich Dutzende Erinnerungen.

Schon nach Locarno ging es los. In meiner Militärzeit war ich dreimal für längere Zeit im Tessin. Als Rekrut, als Küchenchef und als Fourier leistete ich Diensttage in Losone. Und da gab es an der alten Strasse von Locarno nach Bellinzona eine Brauerei. Doch da stehen nur noch baufällige Gebäude.

Dann schrieb ich in meinem letzten Newsletter, dass ich am wunderschönen Rhonegletscher vorbei geschossen war. Doch vom Rhonegletscher war eigentlich nichts mehr zu sehen. Es sind zwei riesige Poster, die dort aufgestellt wurden, damit man sich vorstellen könne, wo denn nun dieser Gletscher gewesen sei.

In meiner ältesten Erinnerung fuhren wir mit dem Volvo 144 von St. Peterzell über die Axenstrasse und die Schöllenen hinauf nach Andermatt und auf den Furkapass.

Mein Bruder und ich sassen hinten und ich wusste nicht, wo ich überall hinschauen sollte. Denn es war unglaublich. Diese Berge, Felsen, das Trasse der Eisenbahn. Und unsere Mutter erzählte all die Geschichten, von der Tellsplatte, wo sich der Tell auf der Flucht vom Gessler gerettet hatte, ohne ins Wasser zu fallen.

Sie erzählte, dass man das Kirchlein von Wassen dreimal zu sehen bekäme, wenn man mit dem Zug reisen würde. Dann die Story des Teufels, der den Stein bis nach Göschenen warf, weil ihn die Urner mit einer Ziege überlistet hatten.

In Andermatt gab es Rast. Es war ein ‚Hot Spot‘ der Schweizer Armee. Überall militärische Gebäude, Kasernen und Soldaten. Irgendwo sei da nun auch unser ältester Bruder im Militär. Als junger Train Korporal hätte er sein eigenes Pferd. Leider trafen wir ihn nicht an und fuhren weiter auf den Furkapass.

Die Kehren nahmen kein Ende und es schien endlos in den Himmel zu gehen. Nie hätte ich gedacht, dass ich fünfzig Jahre später wie ein Irrer mit dem Rennvelo da rauf stürmen würde.

Dann die steile Strasse nach unten. Eine scharfe Linkskurve um ein Hotel. Alles sah neu, glänzend und elegant aus.
Da hinten könne man nun den Rhonegletscher sehen. Wir reckten unsere Köpfe über die Hutablage zur Heckscheibe des Autos und staunten über die mächtigen Eismassen, die im Sonnenlicht glitzerten. Man hatte das Gefühl, der ganze Gletscher würde jeden Moment ins Tal stürzen.

Eine Kehre nach der anderen fuhren wir nach Gletsch und konnten uns von diesem Anblick nicht losreissen. Über die Grimsel nach Brienz, den beiden Seen entlang durchs Kandertal, erreichten wir Kandersteg, wo unsere Ferienwohnung wartete.

Noch heute sehe ich diesen beigen Volvo 144 die steile Strasse nach Gletsch hinunter fahren und hinten staunten zwei kleine Jungs durch die Heckscheibe, auf die Berge und den majestätischen Gletscher.

Jahre später dasselbe Bild, als ich diese Pässe im Dienste der Schweizer Armee befuhr. Bequem hinten in einem alten VW Bus sitzend, als junger Fourier beim Abverdienen des Grades.

Wieder einige Jahre später cruiste ich über diese Pässe mit meinen Motorrad BMW K 100 RS. Irgend etwas mit dem Luftfilter des Töffs war nicht in Ordnung. In jeder Kurve stotterte der Motor und drohte abzusterben.

Dann nochmals eine Zeit später dieselbe Strecke mit meinen Kindern, um zu erzählen, dass da mal der Gletscher bis an die Strasse reichte und eine Reise mit dem Auto schon eine kleine Herausforderung war.

Den Rhonegletscher sieht man von der Strasse in der Zwischenzeit fast nicht mehr. Doch in meiner Erinnerung recke ich meinen Kopf zum Heckfenster des Volvos und es ist immer noch imposant, was ich da sehe.

Solche Momente beschäftigen mich, seitdem ich letzten Samstag mit eigener Muskelkraft diese Pässe überquert habe.

Und das allein ist für mich der Grund, es noch einmal zu tun.
In einem Jahr, am Samstag den 20. Juni 2020. Passt doch!