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 Sonntagsspaziergang & Tutti Frutti 

Posted on 10. Februar 2019

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 Sonntagsspaziergang & Tutti Frutti 

Mussten Sie beim Lesen des Titels meiner heutigen Geschichte schmunzeln? Dann haben Sie sicher an die RTL – Sendung der Neunzigerjahre gedacht. Tutti Frutti, ein schmalzender Quiz mit halbbekleideten Damen und unglaublich seichter Unterhaltung. Doch, nein, stopp, das war nicht meine Geschichte.
Tutti Frutti hat für mich wahrlich eine ganz andere Bedeutung. Als ich gestern Nachmittag durch den Flimserwald auf der schneebedeckten Strasse nach Salums rannte, kamen mir etliche Sonntagsspaziergänger entgegen. Mann und Frau mit grossem Hund, der mich unfreundlich anknurrte. Mann mit ferngesteuerter kleiner Ratte, als Hund verkleidet, der mich blöd anblaffte. Mutter mit zwei Töchtern, kichernd am Geschichten erzählen. Mann und Frau mit Walking Stöcken, konzentriert auf den richtigen Tritt. Und so ging es immer weiter.

Ich fing an, darüber zu sinnieren, was der Sonntagsspaziergang für mich bedeutete. Ich rannte gestern meine 12 km durch diese wunderbare Landschaft, gemäss dem Trainingsplan, den Nadine von Crossfirecoaching für mich erstellt, immer mit dem Ziel Swissman im Juni im Hinterkopf.
Doch was war der Sonntagsspaziergang früher für mich?
Es gab den Sonntagsspaziergang schlicht und einfach nicht. Denn der Sonntag war für uns im Landgasthof, vor allem zu Zeiten meiner Eltern, ein Zinstag. Da fuhren die Gäste mit den schönen Autos in den schönen Anzügen durch die Hügel des Neckertals nach St. Peterzell, um bei uns zu essen. Sonntag war der Ausflugstag. Die Gäste kamen von weit her. Vor allem aus dieser grossen Stadt Zürich, die ich damals nur vom Hörensagen kannte.

Meine Eltern kochten vier Sonntagsmenus. Menu eins war immer der Sonntagsbraten, vom Schweinshals oder von der Kalbsschulter. Der Braten lag ab neun Uhr im heissen Ofen, mit frischem Schmorgemüse und Rosmarin. Menu zwei ‚paniertes Schnitzel‘, Menu drei ‚Entrecôte mit Kräuterbutter‘ und Menu vier ‚Schweinsrahmschnitzel mit Butternüdeli‘. Zu allen Menus wurde frisches Gemüse serviert. Blumenkohl mit Brösmeli, Bohnenwickel mit Burespeck und Rüebli mit Zucker glasiert. Zum Dessert gab es gemischtes Glace, Coupe Dänemark, Ananas Hawaii, wenn Saison war Erdbeeren Romanoff, Grosi Creme oder eben Tutti Frutti.

Am Sonnntag waren wir, mein Bruder und ich zur Hilfe in der Küche. Auf der Treppe zum Keller stand die Glacettuhe. Wir warteten auf die Bestellungen. Dann richteten wir den Fruchtsalat in kleinen Metallschälchen an und drappierten eine Kugel Glace darauf. Etwas Kirsch darüber, Rahm dazu und fertig war das Dessert. Den Fruchtsalat hatte unsere Mutter vormittags geschnitten. Dann kam die Bestellung für Ananas Hawaii. Eine Scheibe Ananas, rote Kirsche, Zitronensorbet, fertig war der Gaumenschmaus. Und so ging es bis weit in den Nachmittag hinein. Die Gäste hatten sich schon lange auf ihren Sonntagsspaziergang gemacht, als wir die letzten Desserts geschickt haben und unsere zuckerklebrigen Hände wuschen.

Unser ‚Tutti Frutti‘ war also nichts anderes als ein frischer Fruchtsalat mit Vanille- und Erdbeerglace mit Rahm aus dem Rahmbläser. Für einen Sonntagsspaziergang hatte bei uns nie jemand Zeit.

Tutti Frutti machen Sie einfach aus möglichst vielen frischen Früchten, adrett zugeschnitten und mit Zuckersirup angerichet, verfeinert mit einem Schuss Kirsch, Glace nach Wunsch und feinem Schlagrahm darauf.

Ich wünsche gutes Gelingen.