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Wetterbericht

Posted on 26. Januar 2020

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Wetterbericht!

Stahlblauer Himmel und strahlender Sonnenschein begrüsste uns auf dem Crap Sogn Gion, als wir letzte Woche sonntags aus einer der ersten Gondeln ausstiegen.

‘Ah und Oh’ riefen Sportler und Touristen. Man konnte es kaum glauben.

Noch samstags zeigte der Wetterbericht Wolken und Schneefall. Dasselbe Spiel bereits am Tag davor. Die Pisten waren leer und wir carvten schnell wie der Wind die frisch verschneiten Hänge hinunter. Der Schnee stiebte und ich freute mich, wie damals als kleiner Junge. Schelmisch zog ich genau dort meine Kurve und liess es driften, wo die ‚Snöber‘ faul am Boden lagen. Dumm gelaufen!

Keine Piste liessen wir aus und jede Bahn wurde mindestens einmal benutzt.

Zum Glück lag der Wetterbericht falsch. So konnten wir wunderbare Sonne und Abfahrten geniessen. Bereits mittags waren wir jeweils wieder zuhause und fieberten vor dem TV bei Lauberhornabfahrt und sonntags beim Slalom mit.

Als ich vor bald zwei Jahrzehnten die Gastronomie auf dem Säntis leitete, war mir das Phänomen der Wetterberichtsgläubigkeit zum ersten Mal aufgefallen. Wenn die Prognosen für das Wochenende am Dienstagabend schlecht waren, wussten wir, dass es ein mittelmässiger Sonntag werden würde. Waren die Prognosen am Dienstag aber hervorragend und das Wetter dann schlecht, kam es vor, dass der Laden voll war. Voll mit enttäuschten Gästen, die dem Wetterfrosch die Schuld für das schlechte Wetter gaben.

Heute überlege ich mir, wann es zu dieser Wetterberichtsgläubigkeit kam?

Es war doch in unserer Kindheit so:

Wenn wir nach draussen durften, waren wir glücklich. Es gab kein schlechtes Wetter, höchstens die falschen Kleider. Mit fiel das so nie auf. Wir waren so einem Eifer verfallen, dass sich die Backen von allein rot färbten und wir nie kalt hatten. Es gehörte dazu, den ‘Chuchibach’ hinter dem Landgasthof zu stauen oder Stege aus alten Tannenästen zu bauen. Oben im ‘Chuchibachtobel’ entdeckten wir einen umgekippten Baum, der einen Felsbrocken gelöst hatte. Unter diesem Felsbrocken, nur vom wippenden Baumstrunk gehalten, erzählten wir uns die lustigsten Geschichten. Heute würden wir wohl von der KESB  abgeholt und ‚beschützt‘ werden. Der Blick hätte sein Titelstory wie ‘Kinder aus Lebensgefahr gerettet’!

Nur wir sahen das definitiv anders und waren einfach glücklich dabei. Nass und dreckig kehrten wir kurz vor dem Eindunkeln nachhause und ich denke noch heute, unsere Eltern waren froh, dass sie nie erfuhren, was wir alles angestellt hatten, dort im Wald, am Bach oder unter diesem Felsen.

Und zum grossen Glück hat niemand einen Wetterbericht gehört, dann wären all diese unvergesslichen Abenteuer dieser dummen Wetterberichtsgläubigkeit zum Opfer gefallen.

Geniessen Sie die Tage bei jedem Wetter und lassen Sie es sich gut gehen. Es gibt kein schlechtes Wetter, allerhöchstens die falsche Kleidung.